Viele Pferde zeigen Anzeichen von Trageschwäche bis hin zu Trageerschöpfung.
Der erste Schritt ist das Erkennen und Einordnen dieser Anzeichen. Der nächste Schritt ist die Ableitung von Massnahmen in Haltung, Fütterung und Futteraufnahme, Equipment, Hufbearbeitung, Zähne, ergänzenden Massnahmen (z. B. Physio, Osteo) und natürlich im Training. Genau hier wird es interessant.
Zunächst kann es verwirrend sein, dass es unterschiedliche und teils widersprüchliche Ansätze gibt. Gleichzeitig ist die Umsetzung in der Praxis anspruchsvoll und erfordert Zeit sowie Konstanz, bis Veränderungen sichtbar werden.
Inhalte
Anatomische Grundlagen
Das Pferd hat keine knöcherne Verbindung zwischen Rumpf und Vorderbeinen.
Der Rumpf „hängt“ in einer Muskelschlinge – mit zentraler Rolle des Serratus ventralis.

Was bedeutet Tragkraft?
In diesem Zusammenhang ist folgende Unterscheidung sinnvoll, da oft pauschal von Tragkraft gesprochen wird, obwohl Unterschiedliches gemeint ist:
Rumpf-Tragkraft: aktiver Serratus → Widerrist und Rumpf angehoben
Hinterhand-Tragkraft: Beugung der grossen Gelenke der Hinterhand in der Stützbeinphase → Hankenbeugung und Lastaufnahme
Trageschwäche erkennen
Trageschwäche zeigt sich oft über Kompensationen wie:
- Stabilisation über den Unterhals → Pferd hebt sich raus in die höhere Gangart
- Bewegungsmuskulatur übernimmt Stabilisation → steifes Gangbild
- Schulterblätter sind näher am Widerrist → eingeschränkte Beweglichkeit
- verspannte Brustmuskulatur → schmale Brust, eng stehende Vorderbeine
Zielbild tragfähiges Pferd
Ein tragfähiges Pferd zeigt ein harmonisches Gesamtbild:
- angehobener Rumpf und Widerrist
- von vorne breit wirkender, nicht hervortretender Brustbereich
- Schulterblätter zeichnen sich ab und sind beweglich
- im Stand: Vorder- und Hinterbeine im Lot
- gute Beuge- und Streckfähigkeit der grossen Gelenke der Gliedmassen
- Bewegung geht durch den Körper
- Balance auch in der Bewegung
Schlüsselkriterien im Training
Ob eine Übung wirklich hilft, entscheidet sich in der Ausführung.
Beurteile die Qualität der Ausführung anhand dieser Kriterien:
- Übergang Hals-Brustwirbelsäule (CTÜ): angehobene Halsbasis
- Übergang Lende–Kreuzbein (LSÜ): stabile Kraftübertragung
- Spannungsbogen: Kraftabdruck aus dem Hinterbein, Energie geht durch den Körper

Kopf-Hals-Haltung
Ob sich ein Pferd thorakal – also mit aktivem Rumpftrageapparat – trägt, hängt nicht allein von der Kopfhaltung ab.
- Tragfähigkeit fällt oft leichter in mittlerer Haltung
- Haltung sollte gezielt variiert werden
- je besser die Rumpftragkraft, desto besser kann sich ein Pferd auch in tiefer Kopfhaltung thorakal tragen
„Kopf runter“ ist weder Lösung noch Qualitätsmerkmal.
Lösen und Stabilisieren
Lösende Arbeit
→ mentale und physische Spannungsregulation, Mobilität fördern
Stabilisierende Arbeit
→ Balance, Aufbau Haltemuskulatur, Rumpf- und Hinterhandtragkraft
Effektives Training kombiniert beides – abgestimmt auf Pferdetyp (Psyche, Muskeltonus, Bindegewebe), Trainingsstand und Situation.
Fazit
Entscheidend ist nicht das Was, sondern das Wie und das Wann.
Seminarabend
Wenn du tiefer in das Thema eintauchen möchtest, melde dich gerne – ich informiere dich, sobald es eine nächste Durchführung gibt.
Dabei geht es unter anderem um:
- Blickschulung anhand von Beispielen
- Analyse des eigenen Pferdes
- Schwerpunkte je nach Pferdetyp
- konkrete Ideen fürs Training